Wenn das Wasser auf dem Paddelblatt gefriert …
… dann ist ein Jahr vergangen.
Eiskalter Wind peitscht mir ins Gesicht, das schwerfällige Schlauchboot drückt sich qualvoll über die Eisschollen und der süßliche Geruch von Kirschglühwein steigt mir in die Nase. Es ist der zweite Advent und ich sitze, wie jedes Jahr, in einem Boot und paddele auf der Elbe entlang. Je kälter, umso besser. So organisiert „Der Aussteiger“ alljährlich in der Vorweihnachtszeit das traditionelle Adventspaddeln zwischen Barby und Magdeburg. Gefühlte Temperaturen von -5° Celsius und böiger Südwind wedeln durch meine drei Unterhosen und fünf Pullover hindurch. Ich throne, zusammen mit acht anderen Verrückten, auf dem Rand eines stabilen Bundeswehrschlauchboots und steche mein Paddel tief in das eisige Wasser neben mir.
Wir haben gerade erst an der Fähre in Barby abgelegt und vier ernsthafte Paddelschläge getan, da bietet Max – unser Bootskoch – schon die erste Runde Glühwein an. Eilig werfen wir die Paddel beiseite, räumen unsere Proviantbox aus und nehmen Thermobecher, gefüllt mit duftendem Glühwein, entgegen. Andreas, unser breitschultriger Kapitän, wirft den Motor des Bootes an und wir treiben stromabwärts. So ist Sport eine entspannende, kraftlose Angelegenheit.
Bald schon reicht die schwache Maschine aber nicht mehr aus, denn mein Heißgetränk drückt mir auf die kältegeschrumpfte Blase. Ich schreie laut „Und los!“, greife nach meinem Paddel und ziehe es kraftvoll und zügig an den Eisschollen vorbei durch den Fluss. Die restliche Crew macht, wenn auch belustigt über meinen plötzlichen Energieschub, energisch mit.
Dankbar springe ich in Schönebeck aus dem Gummiboot und sprinte zur Toilette, um für Glühwein und Stollen Platz zu schaffen. Das Bootshaus, an dem die teilnehmenden Paddler alle Jahre wieder pausieren, eignet sich perfekt fürs Aufwärmen am feuerbeheizten Glühweinkessel.
Mit Puderzucker am Schal schlendern wir nach einer halben Stunde zurück zu unserem Mannschaftsboot, neben dem unser Crewmitglied Erhard sich gerade die Badehose anzieht. Unvermittelt stürzt er sich dann todesmutig in die Elbfluten. Wir zittern und unsere Zähne klappern allein schon vom Hinschauen.
Unter Lobesgesängen für unseren Winterschwimmer, krabbeln wir wieder ins Boot und legen ab. Nur noch acht Kilometer trennen uns von Magdeburg/Westerhüsen, unserem Endziel. Die Männer schenken noch einmal Glühwein aus und langsam treiben wir dem Grillwürstchenstand am Ufer entgegen.
Nach insgesamt 25 Kilometern haben wir es geschafft und steigen mit erröteten Gesichtern und kalten Nasen aus dem Boot aus.
Nun kann es Weihnachten werden …
- Letzte Wärmversuche vor dem Start – Mein Vater und ich
- Max und Niki vor dem Start
- Die Crew – Munter und energiegeladen (noch!)
- Wir sitzen alle in einem Boot
- Pause in Schönebeck – Glühwein + Stollen
- Weiter geht’s! Nur noch 8 Kilometer …
- Geschafft – Nur noch Aufräumen fahren!









5 Comments
Liebe Mady,
herzlichen Glückwunsch zu dieser schönen Seite und all den Erfahrungen, die du machst! Das nenn ich mal sinnvoll verplante Zeit. Und ja, du hast völlig recht: Home is where the heart ist. Man kann sich überall daheim fühlen, denn es ist nicht der Ort, sondern es sind die Menschen, die Situationen, Länder und Städte wundervoll machen.
In diesem Sinne: Go go go!
Liebe Anne,
vielen Dank!
Wo hat es dich denn in den letzten Jahren so hingetrieben?
Hi Mady, danke für Deinen Bericht
Du bist jetzt bei uns verlinkt. LG
Hallo Mady,
es war wirklich wieder toll, vor allem die Eisschollen führten zu einem vollkommen neuen Erlebnis. Meinen Bericht und die Bilder findest Du unter
http://blaues-band.de/l/n112
Gruß
Olli
Hi Olli,
vielen Dank für dein Feedback und deinen Link. Das Geräusch der Eisschollen war für mich auch eine besondere Erfahrung. Gut, dass kein Paddel steckengeblieben ist!